


…doch wer oder besser was war der erste „Käfer“ und wie kam es soweit? Schon zu Beginn der 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts waren viele Konstrukteure und Industrielle vom Bau eines „VOLKSWAGENs“ angetan. Nicht zuletzt durch die enormen Erfolge des Ford Model T – besser bekannt als “Thin Lizzy“. Die neuartige und rationelle Serienfertigung am Fließband seit 1908 machte die preiswerte Motorisierung des Volkes in den Vereinigten Staaten möglich. Auch die Weimarer Republik hatte sich dem Autobahnbau und damit der Motorisierung des Volkes auf die Fahnen geschrieben. Dieses Vorhaben wurde später von den Nationalsozialisten als für ihre Ideologie geeignet übernommen. Einer der wesentlich konkreten Vordenker war der spätere Daimler-Benz-Sicherheitsingenieur und gebürtige Tscheche Béla Barényi. Er reichte 1925/26 einen Entwurf bei der Maschinenbauanstalt in Wien ein, der sehr viele konstruktive Parallelen zum späteren Käfer aufwies. Ihm wurde 1955 seine Urheberschaft am VW-Käfer gerichtlich anerkannt. Den praktisch ersten „Volkswagen“ entwarf, konstruierte und baute der ungarnstämmige deutsche Josef Ganz. Er fertigte 1928 den ersten Prototypen seines „Maikäfers“ (ARDIE-Werke, Nürnberg), welcher später als STANDARD Modell Superior (Bild 1) firmierte. Dieses Fahrzeug besaß bereits einen Heckmotor, Schwingachsen und Einzelradaufhängung! Josef Ganz war jedoch Jude und wurde nach der Präsentation des Wagens 1933 von der Gestapo verhaftet. Zwei Jahre zuvor, im Jahr 1931 gründete Ferdinand Porsche, nach Tätigkeiten bei etlichen anderen Automobilunternehmen, in Stuttgart ein eigenes Konstruktionsbüro. Porsche war ebenfalls Anhänger des Volksmotorisierungsgedankens und hatte sich mit der Fließbandfertigung in Detroit bei Ford vertraut gemacht. Im Jahre 1933 plante NSU in Neckarsulm mit einem Kleinwagen zum Automobilbau zurückzukehren. Generaldirektor Fritz von Falkenhayn beauftragte Porsche, einen wirtschaftlichen Kleinwagen zu konstruieren, sodass Porsche erstmals einen luftgekühlten Heckmotor verwirklichen konnte (Typ 32). Erneut wurden drei Prototypen bei Drauz bzw. Reutter gebaut (Bild 3). Die NSU-Prototypen, die im Juli 1934 fertig wurden, konnten erprobt werden. Die Karosserie des neuen Typ 32 wies wiederum käferähnliche Züge auf, und auch der jetzt eingebaute luftgekühlte Vierzylinder-Boxermotor im Heck wurde im späteren Käfer übernommen.
Im gleichen Jahr nahm Ferdinand Porsche den Auftrag seines Landsmanns Adolf Hitler an, einen Volkswagen zu konstruieren. Das Auto sollte Platz für zwei Erwachsene und drei Kinder bieten, eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h erreichen, im Durchschnitt nicht mehr als 7 Liter Kraftstoff auf 100 km verbrauchen und weniger als 1000 Reichsmark kosten. Porsche legte ein Exposé zum Volkswagen mit Datum vom 17.01.1934 vor, dem am 22. Juni 1934 ein Vertrag mit dem Reichsverband der Automobilindustrie (RDA) über den Bau eines Prototyps des Volkswagens folgte. Später wurde auf Geheiß Hitlers die weitere Entwicklung und der Bau dieses „KdF-Wagens“ zur Reichsangelegenheit und dem RDA entzogen. 1935 war es soweit: Es entsteht so der erste Prototyp mit luftgekühltem Boxermotor. Wiederum werden zunächst 3 Autos vom Porsche Typ 60 (Bild 4) gebaut. Auch ein Cabrio (V 2) ist dabei (Bild 5)! Vier weitere Versuchswagen sollten im Verlauf des nächsten Jahres folgen. In der Folge werden 30 weitere Fahrzeuge (VW30-Vorserie) in Sindelfingen “beim Daimler“ gebaut und eine der aufwendigsten Testreihen in der Geschichte des Auto- mobils beginnt… |


MB und FP 26.7.2010 |